{"id":763,"date":"2022-08-30T20:40:56","date_gmt":"2022-08-30T18:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/diepflege.org\/?p=763"},"modified":"2022-08-30T20:51:24","modified_gmt":"2022-08-30T18:51:24","slug":"ambulante-laienpflege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diepflege.org\/?p=763","title":{"rendered":"<strong>Ambulante Laienpflege<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><sub>von Mariam, Alternpflegerin &amp; Pflegende Angeh\u00f6rige<\/sub><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sollte der Umgang mit dementiell ver\u00e4nderten Menschen gestaltet werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>ie Pflege von Angeh\u00f6rigen mit einer dementiellen Erkrankung geh\u00f6rt zu einer der herausforderndsten T\u00e4tigkeiten, die die h\u00e4usliche Pflege zu bieten hat. Denn eine dementiell ver\u00e4nderte Person ben\u00f6tigt nicht nur Hilfe bei der k\u00f6rperlichen Pflege wie Nahrungszubereitung, Waschen und anziehen, sondern bringt auch noch einen dauerhaft psychisch ver\u00e4nderten Status mit sich. &nbsp;Menschen, die ihre Dementiell ver\u00e4nderten Angeh\u00f6rigen pflegen sehen sich also nicht nur mit dem Dschungel an Verwaltungsaufgaben und dem Erlernen der klassischen Pflege konfrontiert, sie m\u00fcssen sich auch noch auf die Ver\u00e4nderungen der Pers\u00f6nlichkeit und die neuen Situationen mit der Ihnen vorher so vertrauten Person einstellen. Das kann im h\u00f6chsten Ma\u00dfe belastend sein und in Kombination mit den anderen Herausforderungen schnell an die Belastungsgrenze f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was kann man tun, wenn man Mutter oder Vater nicht einfach ins Heim geben m\u00f6chte? Wie kann man die beste Versorgung gew\u00e4hrleisten, ohne Selbst an Schuldgef\u00fchlen oder der \u00dcberforderung zu zerbrechen?<\/p>\n\n\n\n<h2>Demenzielle Erkrankungen als Diagnose<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Erkrankung Demenz wird in der Gesellschaft immer noch zu undifferenziert als eine gro\u00dfe und be\u00e4ngstigende Diagnose betrachtet. &nbsp;Das Stellen der Diagnose geht oft mit gro\u00dfen \u00c4ngsten und Vorurteilen einher: Mutter wird sich bald in die Hose machen und ich muss sie wickeln, Vater wird bald wie ein Kleinkind von mir gef\u00fcttert werden m\u00fcssen. Was ist, wenn Mutter wegl\u00e4uft?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei jedem Betroffenen stellt sich die Erkrankung anders zusammen und ist dabei abh\u00e4ngig von der jeweiligen Form der Demenz, dem pers\u00f6nlichen Charakter, der Lebenserfahrung, die die betroffene Person gesammelt hat und nicht zuletzt, wie wir mit der zu pflegenden Person umgehen und sie f\u00f6rdern und verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verschiedenen Formen der Demenz sind weitl\u00e4ufig und einen eigenen Fachartikel wert. Aber was haben Charakter und pers\u00f6nliche Lebenserfahrungen mit dem Verlauf der Demenz zu tun? Charakterliche Merkmale k\u00f6nnen sich durch die demenzielle Erkrankung verst\u00e4rken oder auch erst zutage treten. Menschen, die eine Neigung zur Melancholie oder Traurigkeit haben k\u00f6nnen, vermehrt weinen oder in depressive Episoden rutschen. Menschen, die von jeher Selbstbewusst und stur waren, k\u00f6nnen in eine Verweigerungshaltung oder Wutausbr\u00fcche hineinrutschen. Dies kann das Verhalten der Person im ersten Moment irritierend Ver\u00e4ndern, wenn man jedoch den Charakter des Menschen betrachtet, jedoch durchaus Sinn ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Beispiel: Eine dementiell erkrankte Dame wollte partout nicht beim waschen und anziehen unterst\u00fctzt werden, Essenshilfe lehnte sie immer murrend und mit Aussagen wie ,,Quatsch\u2018\u2018 oder ,,was soll das?\u2018\u2018 ab und war teilweise aggressiv je netter man es versuchte. Nachfrage bei den Angeh\u00f6rigen ergab das diese Dame sich fr\u00fcher immer viel um andere gek\u00fcmmert hatte und ihres Aufhebens um ihre eigene Person immer unangenehm gewesen war. Wir begannen also die Pflege mit so wenig<\/em> <em>Kommunikation und Aufhebens wie m\u00f6glich zu gestalten und die Dame konnte die Hilfe viel besser annehmen, war weniger m\u00fcrrisch und die Pflege ging unkomplizierter von statten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Charakter spielen die Lebenserfahrungen eine weitreichende Rolle in dem dementiellen Verlauf. Kriegserfahrungen werden mit den folgenden Generationen immer weniger aber, pers\u00f6nliche Schicksalsschl\u00e4ge, erlebte pers\u00f6nliche Katastrophen k\u00f6nnen immer wieder durchbrechen und dem Verlauf der Krankheit beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Beispiel: Eine Dame hatte von ihren Angeh\u00f6rigen das sch\u00f6nste Zimmer in einem Pflegeheim gemietet bekommen. Aber sie wollte partout nicht dort schlafen. Sie weinte sehr viel, rief nach ihrer Schwester und lief immer wieder verzweifelt \u00fcber die Flure. Eine Nachforschung in der Biografie ergab das die Frau in ihrer Jugend wohl einen sexuellen \u00dcbergriff erlebt haben musste und nie ohne Licht oder Radio geschlafen hatte. Wir stellten ein Bett auf den Flur direkt vor dem Schwesternzimmer. Als die Frau nun weinend \u00fcber die Flure lief nahm sie das Bett dankend an und schlief oftmals friedlich vor dem Schwesternzimmer, wo sie Stimmen h\u00f6rte, und Licht war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Oft sehen wir das Verhalten von dementiell Erkrankten Menschen nur als Problematisches Verhalten. Wir sehen die Probleme, die es im Alltag bereitet und sortieren es schnell als falsch ein. Wichtig ist den dementiell erkrankten Menschen in seinem Tun immer ernst zu nehmen. Jedes Verhalten hat einen Grund. Wir erkennen ihn nur nicht. Versuchen wir also das Fehlerhafte Verhalten zu korrigieren bringen wir den dementiell Erkrankten in eine verzweifelte Situation, die nicht selten in Gewalt endet. Stellen sie sich vor sie wollten ihr Kind vom Kindergarten abholen und jemand k\u00e4me daher und w\u00fcrde sagen, ihr Kind w\u00e4re Erwachsen und versuchen sie daran zu hindern das Haus zu verlassen, sie wom\u00f6glich noch einsperren. Welche Mutter welcher Vater w\u00fcrde nicht zum L\u00f6wen werden, um sein Kind abzuholen? Nichts anderes tun dementiell erkrankte Menschen aus ihrer Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<h2><sub>Wie kann ich meinen Angeh\u00f6rigen also nun durch schwierige Situationen helfen?<\/sub><\/h2>\n\n\n\n<p><em>Entwickeln sie ein Bewusstsein daf\u00fcr das jedes Verhalten immer einen Grund hat. <\/em>Denken sie<em> nicht<\/em> aus der defizit\u00e4ren Sicht, was hat mein Angeh\u00f6riger falsch gemacht, sondern was wollte er\/sie bezwecken und versuchen sie ihm durch diese Situation zu helfen oder ihn darin zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er m\u00f6chte das Haus verlassen und sein Kind vom Kindergarten abholen, aber sie sind das Kind und gute vierzig Jahre alt? Weisen sie ihren Angeh\u00f6rigen nicht auf den Fehler hin, denn entweder besch\u00e4men sie ihn und riskieren den emotionalen R\u00fcckzug oder sie erhalten eine aggressive Reaktion. Nehmen sie die Person ernst und treten sie in Kommunikation auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Beispiel: ,,Wo m\u00f6chtest du hin?\u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>,,Na zum Kindergarten ich muss Lotte abholen.\u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>,,Ist dir das Wichtig Lotte p\u00fcnktlich abzuholen?\u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>,,Ja, nat\u00fcrlich ich bin immer p\u00fcnktlich.\u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>,,Du bist eine tolle und zuverl\u00e4ssig Mutter\/ Vater. Lotte kann richtig froh sein.\u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>,, Ja Lotte kann sich auf mich verlassen.\u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>,, Ich w\u00fcrde gerne mitkommen dann k\u00f6nnen wir zusammen Lotte abholen, hilfst du mir noch schnell bei xy, dann kommen wir schneller los und sind p\u00fcnktlich. \u2018\u2018<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Personen, die sich ernstgenommen f\u00fchlen sind eher zu Kooperation und Verhandlungen bereit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>,,Ich habe alles versucht und trotzdem keinen Erfolg\u2018\u2018<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie also vorrausgehend ausgef\u00fchrt, ist keine dementielle Erkrankung gleich und eine Bedienungsanleitung, die immer zuverl\u00e4ssig funktioniert gibt es nicht. Es kann also sein, dass sie alles versuchen und trotzdem keinen Erfolg haben. Zumal die Pflege von Angeh\u00f6rigen immer im Kontext des Alltags stattfindet. Vielleicht arbeiten sie noch nebenbei, haben Kinder, verschiedene Aufgaben oder sind auch einfach nicht so talentiert in der Kommunikation. Es gibt Situationen in denen man genervt und gestresst ist und einfach keine Lust und Kraft f\u00fcr die zwanzigste Diskussion hat, warum Lotte nicht vom Kindergarten abgeholt werden muss. Und das ist vollkommen in Ordnung!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sind nicht Superman oder Wonderwoman<\/strong>. Es ist vollkommen normal an seine Grenzen zu sto\u00dfen und auch mal keinen Erfolg zu haben. Zwingen sie sich zu nichts, wenn sie emotional oder k\u00f6rperlich an eine Grenze kommen, denn damit schaden sie nur ihrem Angeh\u00f6rigem und sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Eruieren sie in welchen Situationen die Belastung besonders hoch f\u00fcr sie ist und suchen sie angepasste L\u00f6sungen. Niemand darf sie daf\u00fcr verurteilen, denn die Pflege von Demenzerkrankten geht mit einer enormen psychischen Belastung einher.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mutter will partout nicht duschen und es endet jedes Mal in einem Kampf? <\/em>Vielleicht m\u00f6chte sie keine Arbeit machen oder es ist ihr unangenehm sich vor ihnen zu entkleiden, holen sie sich einen ambulanten Pflegedienst f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit. &nbsp;Sie arbeiten zwar im Homeoffice, aber Vater kommt alle paar Minuten herein und fragt nach etwas? \u00dcberlegen sie, ob eine Tagespflege in Betracht kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Pflege und der Aufwand durch die Demenz Erkrankung zu hoch wird scheuen sie nicht eine entsprechende Vollzeitpflege in Betracht zu ziehen. Oft wir Pflegeheim mit abschieben gleichgesetzt ,,ich gebe Mutter\/ Vater doch nicht einfach weg\u2018\u2018. Aber bedenken sie den Vorteil, die pflegerischen Konflikte bei z.B. ankleiden und Essen entfallen und sie k\u00f6nnen entspannter die Zeit mit ihren Angeh\u00f6rigen genie\u00dfen. Niemand sagt, das der Umzug in ein Pflegeheim auch gleichzeitig mit dem Verlust des Kontaktes einhergeht. Sie k\u00f6nnen Mutter\/ Vater zum Sonntagskaffee oder auch jeden Tag abholen und so die gemeinsame Zeit so intensiv und liebevoll wie m\u00f6glich miteinander verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprechen sie \u00fcber ihre Gef\u00fchle, auch, und insbesondere, \u00fcber die negativen. Beziehen sie Menschen in ihre Situation mit ein, Freunde oder&nbsp; Familienmitglieder und wenn es im privaten Bereich nicht ausreichend Hilfe gibt, wenden sie sich an professionelle Stellen. Fachpersonen, sei es bei ambulanten Pflegediensten oder Pflegeberatungsstellen werden sie nicht verurteilen, sondern ma\u00dfgeschneiderte L\u00f6sungswege anbieten so das die Pflege f\u00fcr alle beteiligten so Stress- und Gewaltfrei wie m\u00f6glich gestaltet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Gewalt in der Laienpflege<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gewalt in der Pflege von Angeh\u00f6rigen ist ein sensibles Thema. Es ist eines der letzten Tabuthemen der Gesellschaft, das gerne ausgeblendet oder unter den Teppich gekehrt wird. Denn jemand der sich liebevoll und aufopfernd um seine Angeh\u00f6rigen k\u00fcmmert, kann nicht einfach der Gewalt beschuldigt werden. Er\/Sie tut ja schlie\u00dflich sein\/ihr Bestes.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist unbenommen, jedoch muss Gewalt immer unterbunden werden und daf\u00fcr m\u00fcssen die Mechanismen, die zur Gewalt f\u00fchren benannt und aufgezeigt werden. Dabei ist es besonders wichtig die Gewaltaus\u00fcbenden nicht zu stigmatisieren oder zu besch\u00e4men, sondern sie in ihrer Not zu erkennen und L\u00f6sungen aufzuzeigen. Gewalt in der Laienpflege ist ein Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit und \u00dcberforderung. Trotzdem muss das Schlaglicht viel mehr auf diesen verborgenen Teil der Laienpflege gelegt werden, um Betroffenen von Gewalt zu helfen und die Situation f\u00fcr alle beteiligten zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Gewalt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn von Gewalt in der Pflege gesprochen wird, hat man zuerst Bilder im Kopf wie Menschen geschlagen werden oder an ihnen gezerrt wird. Gewalt beginnt jedoch schon viel fr\u00fcher &#8211; sie kann sich langsam aufbauen oder auch immer kleine Ausbruchsspitzen haben. Meist wird Gewalt in der Laienpflege jedoch aus Unwissenheit und Hilflosigkeit ausge\u00fcbt. Daher ist sie auch explizit von der Gewalt in der professionellen Pflege zu unterscheiden und anders zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo also beginnt Gewalt? &nbsp;Gewalt in der Laienpflege wird beg\u00fcnstigt durch das vorherrschende Machtgef\u00e4lle zwischen Pflegenden und ihren Angeh\u00f6rigen. Durch die Problemorientiertheit wird Gewalt oft als Sachzwang dargestellt, ist aber eigentlich die Grenzverletzung oder Herabsetzung des Gegen\u00fcbers. Es ist bereits das Einschlie\u00dfen oder Hindern am Verlassen des Ortes. Es ist schweigen oder nicht beachten der erkrankten Person. Es ist das Vordiktieren von Handlungsabl\u00e4ufen und T\u00e4tigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es gut gemeint und rational begr\u00fcndet ist. Eine Person gegen ihren Willen zu duschen ist eine gewaltvolle Handlung. &nbsp;Jemandem, der immer dieselben S\u00e4tze oder S\u00e4tze ohne Zusammenhang sagt nicht zu beachten, ist Gewalt. Alles was den Menschen in seiner Freiheit und W\u00fcrde beschneidet ist Gewalt, zu der eine Alternative gesucht werden muss. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Schritt ist die Bewusstmachung, ab wann Gewalt beginnt. Fragen Sie sich, ob sie unter anderen Umst\u00e4nden beispielsweise, wenn die Person kognitiv fit w\u00e4re, die Handlungen in Ordnung f\u00e4nden. Wenn nicht k\u00f6nnte es Gewalt sein und sollte unterlassen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Schritt geht es um die Selbstzentrierung. Menschen, die Ihre Angeh\u00f6rigen pflegen tun dies h\u00e4ufig \u00fcber die eigenen Ersch\u00f6pfungsgrenzen hinaus bis teilweise zu v\u00f6llige Selbstaufgabe. Bleiben sie bei sich und ihren Gef\u00fchlen. &nbsp;Wenn sie Wut, Verzweiflung oder \u00e4hnliches Sp\u00fcren kann eine Situation schnell eskalieren, da dementiell Erkrankte Menschen sehr feine Antennen f\u00fcr die Stimmung um sie herum entwickeln und darauf reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuchen sie die Situation zu verlassen oder, wenn dies nicht m\u00f6glich ist, kommunizieren sie ihre negativen Gef\u00fchle. Ein ehrliches ,,ich bin gerade echt genervt, weil ich einen langen Arbeitstag hatte und jetzt das Umkleiden nicht klappt\u2018\u2018 trifft manchmal auf mehr Verst\u00e4ndnis bei dem Erkrankten, als wenn sie versuchen ihre Emotionen zu unterdr\u00fccken.&nbsp; Achten sie auch auf ihr Umfeld und sprechen sie pflegende Angeh\u00f6rige an, bieten sie einen Gespr\u00e4chseinstieg, dem es den pflegenden Angeh\u00f6rigen erm\u00f6glicht seinen Frust und seine Wut oder Stress zu artikulieren, ohne dass sie Angst haben muss, verurteilt oder besch\u00e4mt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sachzw\u00e4nge erkennen und hinterfragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oftmals sind es bestimmte immer wiederkehrende Situationen, die zu Konflikten f\u00fchren und die Pflege erschweren und die Beziehung belasten. Verifizieren Sie welche Situationen Ausl\u00f6ser sind und schauen sie, ob es eine Begr\u00fcndung gibt, die im Verhalten der dementiell Erkrankten Person liegt. Ist dies nicht festellbar kann es auch ein Sachzwang sein den man oft als gegeben hinnimmt. Beispielsweise gibt es immer Konflikte am Essenstisch. Vielleicht isst die Person ihr Essen lieber im Bett. Sofern dies vertretbar ist, nehmen sie die Gegebenheit an. K\u00f6rperpflege ist ein weiteres gro\u00dfes Konfliktfeld in der Pflege. \u00dcberlegen Sie in welcher Form und Umfang die Pflege erfolgen muss und suchen sie einen Kompromiss. Bedenken sie, der Mensch hat ein Recht auf Verwahrlosung. Treten sie mit sich und ggf. ihrem Umfeld in Verhandlung wieviel Verwahrlosung sie tolerieren k\u00f6nnen. Oftmals sind Sachzw\u00e4nge, die wir empfinden von uns selbst geschaffen und dementiell Erkrankte fordern uns regelm\u00e4\u00dfig heraus diese zu hinterfragen und vielleicht sogar \u00fcber Bord zu werfen. Sofern es sich nicht um Eigen- und Fremdgef\u00e4hrdung handelt, sind die Grenzen weit zu stecken. Wenn sie an Ihre Grenzen Sto\u00dfen holen sie sich professionellen Rat und entsprechende Entlastungen. Punktuell sind auch Betreuungsleistungen zuhause m\u00f6glich, Tagespflegen oder ambulante Dienste, die sie auch in herausfordernden Situationen zum Umgang beraten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Abschlie\u00dfende Worte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend bleibt zu sagen das die Pflege von Angeh\u00f6rigen und insbesondere die Pflege von dementiell Erkrankten eine enorme Herausforderung ist den Respekt und Anerkennung verlangt und die aufgrund eines maroden Pflegesystems immer h\u00e4ufiger vorkommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Pflegende Angeh\u00f6rige sollten mehr Zugang zu niederschwelligen Beratungsangeboten erhalten und h\u00e4ufig davon gebrauch machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Achten Sie auf ihre eigenen Gef\u00fchle und auf ihr eigenes Wohlbefinden denn nur ein gesunder Mensch kann gute Pflege leisten. Scheuen Sie sich nicht Hilfe anzufordern sowohl in sozialer Unterst\u00fctzung aus dem eigenen Umfeld als auch von professioneller Seite. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schaffen sie eine pflegerische Situation, in der ihr Angeh\u00f6riger sich wohl und sicher f\u00fchlen kann und investieren sie ihre Kraft in die zwischenmenschliche Beziehung, die sie zueinander haben, denn das ist etwas das nur sie als Angeh\u00f6riger haben, die Beziehung zu der Person deren Pflege sie \u00fcbernehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Mariam, Alternpflegerin &amp; Pflegende Angeh\u00f6rige Wie sollte der Umgang mit dementiell ver\u00e4nderten Menschen gestaltet werden? Die Pflege von Angeh\u00f6rigen mit einer dementiellen Erkrankung geh\u00f6rt zu einer der herausforderndsten T\u00e4tigkeiten, die die h\u00e4usliche Pflege zu bieten hat. Denn eine dementiell ver\u00e4nderte Person ben\u00f6tigt nicht nur Hilfe bei der k\u00f6rperlichen Pflege wie Nahrungszubereitung, Waschen und anziehen, sondern bringt auch noch einen dauerhaft psychisch ver\u00e4nderten Status mit sich. &nbsp;Menschen, die ihre Dementiell ver\u00e4nderten Angeh\u00f6rigen pflegen sehen sich&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":767,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[19,6],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/diepflege.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/patient-3793490_1920.jpg?fit=1920%2C1358&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/763"}],"collection":[{"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=763"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":770,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/763\/revisions\/770"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diepflege.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}